Ehrenmitglied im Portrait: Prof. Otmar Schober
Prof. Otmar Schober Das Jahr 2014 bietet Otmar Schober endlich einmal die Gelegenheit, seine Erfolge Revue passieren zu lassen – und zu überlegen, was eigentlich bleibt.
von Anne-Katrin Hennig, 17.04.2014
„Die Herausforderung hab ich gesucht – mein Leben lang“, sagt Prof. Schober heute. Dabei mag er in den 1960er und 70er Jahren nicht daran gedacht haben, dass am Ende so etwas wie das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Röntgengesellschaft dabei herauskommen. Die DRG ehrt damit den ersten Nuklearmediziner.
Nuklearmedizin. Otmar Schober ahnt damals noch nicht, dass es in diese Richtung gehen würde. Als er 1966 das Abitur in Hannover ablegt, weiß er lediglich: Jetzt will ich starten – nicht irgendetwas studieren, sondern etwas erobern: die Physik. Und dabei zeigt er Mut, denn er weiß: Dieses Studium ist kein Pappenstiel. Doch leicht will er es sich nicht machen. Leicht hat es seine Familie schließlich nie gehabt. Seine Eltern sind Vertriebene aus Schlesien und Mähren. Ihn prägt seine Familiengeschichte: Nicht aufgeben, das Ziel verfolgen, und vor allem: sich auf eigene Beine stellen.
Seinen Weg findet er, sein Ziel verliert er nicht aus den Augen. Und trotz eines klammen Kontostands und wenig Freiheiten – oder genau deswegen – schafft es Otmar Schober 1973, eine Doktorarbeit unter Prof. Gerhard Ertl zu schreiben, die eine der am häufigsten zitierten Arbeiten seines Doktorvaters werden soll.
Und er entwickelt noch höhere Ziele: Nachdem die Physik erobert ist, schreibt er sich fürs Medizinstudium ein und stellt sich der nächsten Herausforderung. Was treibt ihn an in dieser Zeit? „Immer wieder die Neugierde und der Fleiß. Ich habe Herausforderungen immer gemocht“, erklärt er ganz sachlich. Doch ohne Emotionen geht es auch nicht. Prägend sind seine Erfahrungen während dieses Studiums, insbesondere mit Prof. Heinz Hundeshagen, der ihn mit seiner Liberalität und seiner Einzigartigkeit, ganz besonders aber mit seiner Menschenführung beeindruckt.
Der Umgang mit Menschen, auch mit dem eigenen Sein, der Bedeutung des Lebens – all das bewegt Otmar Schober. Und es bewegt auch sein Herz, das nach Antworten sucht. Er versteht es schon immer, auch im Alltag nach Auszeiten zu suchen und sich von Zeit zu Zeit vom Job als Klinikleiter in Münster ab 1988 zu distanzieren – um Kraft zu tanken und sich auf das zu besinnen, was wirklich zählt im Leben. Um das zu tun, muss er nicht auf die Pension warten.
Was wirklich wichtig ist, sind die Familie und das innere Gleichgewicht. Er geht es suchen: 2006 auf dem Jakobsweg mit seiner Frau. In 32 Tagen legen sie 25 Kilometer pro Tag zurück. „Das verpasste uns ein neues Lebensgefühl. Wir fühlten uns glücklich und frei. Das gute Wetter tat aber auch sein Übriges dazu“, lächelt er.
Seine Familie ist es auch, die ihn unterstützt, als er Klinikchef wird. Wie hat er es auf diesen Posten geschafft? „Ohne Fleiß geht nichts. Man muss Ausdauer zeigen, wach sein für neue Entwicklungen, sich nicht verschließen. Und man muss den Mut haben, die Dinge anzupacken.“ Ein Macher sein, den Mut haben zu springen. Das macht einen zum Professor. Er fragt sich, ob heute immer noch so gedacht wird. Besser ist‘s, dann entstehen auch solche Erfolgsgeschichten.
Muss man sich verstellen, um Chef zu werden? „Es geht nicht unbedingt um eine Verstellung, eher um eine elegante Uniformierung in der Welt der Medizin, vor allem im Gegensatz zur Welt der Naturwissenschaften, aus der ich ursprünglich kam. Mir ist diese Uniformierung nicht schwer gefallen, sie hat mich eher amüsiert“, erklärt Schober. Man stellt ihn sich vor: lächelnd durch die Räume schreitend, grüßend, nickend. Nicht nur ein Mann, der Sympathie verströmt, sondern dem man auch anmerkt, dass er jemand ist, der anpacken kann und etwas bewegen will.
Das tut er nicht zuletzt mit seiner schoberstiftung, einer Stiftung für christliche Hospizarbeit, gegründet 2004. „Das Thema bewegt die Menschen“, sagt er, und meint natürlich auch sich selbst. Sein Engagement gilt nicht nur dem Beruf, der Medizin und Nuklearmedizin. Sie gilt ganz besonders auch dem mitmenschlichen Umgang.
Mit 66 Jahren besinnt man sich. Was bleibt? Nicht nur das Medizinerleben, sondern auch die Projekte, die man nebenbei noch so anstößt. Dass Otmar Schober so viel bewegt hat in seinem Leben, kommt daher, dass er sich stets fragt, was wichtig ist im Leben. Und das empfiehlt er auch den jungen Medizinern und Studierenden: „Prüft früh, schon nach dem Physikum, was euch wichtig ist: die Arbeit mit dem Patienten oder die Forschung. Stellt nicht erst mit 45 fest, dass ihr womöglich eine falsche Entscheidung getroffen habt. Und erarbeitet und bewahrt euch das kritische Denken!“
| Die Hospizstiftung von Otmar Schober im Netz: www.schoberstiftung.com |
Verleihung der Ehrenmitgliedschaft am Donnerstag, 29. Mai 2014, 9.40 Uhr während der Kongresseröffnung im Saal Peters des CCH
Highlight-Vortrag von Prof. Schober: "Personalisierte Medizin - Beitrag der Bildgebung", Mittwoch, 28. Mai 2014, 14.00-14.25 Uhr, Saal Werner (im Rahmen der Veranstaltung Ganzkörperbildgebung bei Trauma- und Tumorpatienten VO 104)
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Zur Person |
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| * 15.02.1948 | Bad Rothenfelde/Strang, Krs. Osnabrück |
| Ausbildung | |
| 1954-1966 | Schule in Osnabrück und Hannover |
| 1966-1967 | Maschinenbaupraktikum in Hannover und Birmingham, England |
| 1967-1973 | Studium der Physik und Wissenschaftliche Arbeiten, Institut für Physikalische Chemie, TU Hannover, Promotion, Dr. rer. nat., die publizierte Dissertation hat mehr als 600 Zitationen (Prof. G. Ertl, späterer Nobelpreisträger) |
| 1973-1974 | Wissenschaftliche Arbeiten, Physik. Chemisches Institut, Universität München |
| 1974-1979 | Studium der Medizin, wissenschaftliche Arbeiten, Universität Frankfurt/Main, Medizinische Hochschule Hannover und Royal Postgraduate Medical School, Hammersmith Hospital, London, Medizinisches Staatsexamen, Approbation, Promotion, Dr. med., Medizinischen Hochschule Hannover |
| Fachliche Tätigkeit | |
| 1979-1988 | Klinische Ausbildung / wissenschaftliche Arbeiten, Nuklearmedizin und spezielle Biophysik, Medizinische Hochschule Hannover (Prof. H. Hundeshagen) |
| 1988-2013 | Direktor, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universität Münster |
| 1991 | Erster Listenplatz Universität Zürich, Rückgabe |
| 1991-1996 | Ruf auf den Lehrstuhl für Nuklearmedizin der Universität Hamburg Einladungen ohne Bewerbung: Universität Düsseldorf/Jülich (1991), Universität Wien (1992), MHH Hannover (1996) |
| Ehrungen | |
| 1974 | Liebig-Stipendium, Advancement of Young Professors |
| 1979 | Dissertationspreis, Medizinische Hochschule Hannover |
| 1987 | Oncology Award (Johann Georg Zimmermann, Hannover) |
| 1974-1979, 1985-2011 | Stipendiat und Vertrauensdozent der Studienstiftung des Deutschen Volkes |
| 1991 | Zürich, Schweiz (1. Listenplatz); Professor und Institutsdirektor Nuklearmedizin, Ablehnung |
| 1991 | Hamburg, Ruf, Professor und Institutsdirektor Nuklearmedizin, Ablehnung |
| 1995-2003 | Fachgutachter DFG, Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlenbiologie |
| 1994-2002 | Wissenschaftlicher Beirat, Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung Hamburg |
| seit 1996 | Mitglied, Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften |
| seit 2003 | Delegierter, Union of German Academy of Medical Sciences and Humanities to the InterAcademyMedical Panel; |
| seit 2007/2011 | Mitglied, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Sprecher Themennetzwerk Gesundheitstechnologie |
| seit 2007 | Mitglied, Scientific Advisory Board; Interdisciplinary Research Centre (IFTZ) Innsbruck, Österreich |
| 2013 | Bundesverdienstkreuz |
| 2013 | Ehrenmitglied, Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin |
| 2014 | Ehrenmitglied, Deutsche Röntgengesellschaft (erster Nuklearmediziner) |



